Thomas Mauch

  • Thomas Mauch ist, zumindest für Herzog, Kluge und mich, ein Kameramann, dem wir einen Teil unserer Identität als Filmemacher verdanken.

    — Helma Sanders-Brahms (Regisseurin)
    Biografie

    Thomas Mauch (geb. 1937 in Heidenheim an der Brenz) arbeitet seit fast 60 Jahren als bildgestaltender Kameramann. Insgesamt ist er für die Bilder bei mehr als 70 abendfüllenden Filmen
    sowie zahlreichen Kurzfilmen und Fernsehprojekten verantwortlich und gilt als ein prägender Akteur des Neuen Deutschen Films.

    Die Begeisterung für Fotografie und Film wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater, der nach eigener Aussage selbst Fotograf werden wollte, unterstützte seinen Sohn daher in dessen Berufswunsch. Mauchs Mutter war die Vorsitzende des Filmclubs in Heidenheim. Mauch selbst begann nach dem Abschluss der Waldorfschule eine Ausbildung als Fotograf und absolvierte ab 1957 ein Volontariat bei der Gesellschaft für Bildende Filme in München. Dort lernte er Edgar Reitz kennen, bei dessen ersten Kurz- und Dokumentarfilmen Mauch als Kamera-Assistent mitwirkte. Ab 1963 arbeitete er als freischaffender Kameramann und Dozent am Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Hier entstanden die ersten Ideen von Spontaneität, Improvisation und dem Einsatz von Handkameras – Vorsätze und Techniken die sowohl den Neuen Deutschen Film als auch den dokumentarischen Stil von Mauchs Gesamtwerk nachhaltig prägen sollten.

    Erkennbar wird diese dokumentarisch anmutende Bildästhetik auch in einem von Mauchs ersten Langspielfilmen, Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966), bei dem er neben Reitz als zweiter Kameramann fungierte. Der Film feierte international Erfolge und gilt heute als Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films. 1968 war Mauch als bildgestaltender Kameramann an Werner Herzogs Debütfilm LEBENSZEICHEN beteiligt. Es sollte der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit sein, aus der Werke wie AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (1972) oder FITZCARRALDO (1982) hervorgingen. Eine fruchtbare berufliche Partnerschaft war außerdem jene mit Werner Schroeter, mit dem Mauch seinen persönlichen Lieblingsfilm NEAPOLITANISCHE GESCHWISTER (1978) sowie PALERMO ODER WOLFSBURG (1980) realisierte. Von 2003 bis 2004 arbeitete er an HEIMAT 3 – CHRONIK EINER ZEITENWENDE, dem dritten Teil der Trilogie von Edgar Reitz.

    In besonderem Maße prägend für Mauchs Gesamtwerk sind aber auch das feministische Kino der 1960er und 70er Jahre und dessen Protagonistinnen. In Filmen wie Ula Stöckls NEUN LEBEN HAT DIE KATZE (1968) oder UNTER DEM PLASTER IST DER STRAND (1975) von Helma Sanders-Brahms beobachtet seine Kamera aufmerksam zeitgenössische weibliche Lebenswirklichkeiten in der damaligen Bundesrepublik. Neben seiner langjährigen Arbeit als Kameramann und Kollaborationen mit bedeutenden internationalen Regisseuren (beispielweise Jan Němec), wird Mauch ab 1964 (TUNNEL 57) auch selbst als Regisseur tätig. Zudem gründete er seine eigene Produktionsfirma, die u.a. für die Produktion von PALERMO ODER WOLFSBURG verantwortlich zeichnete, der 1980 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin mit dem Goldener Bären ausgezeichnet wurde.

    Thomas Mauch erhielt für seine herausragende Kameraarbeit insgesamt dreimal das Filmband in Gold bzw. den Bundesfilmpreis. Ausgezeichnet wurde damit seine jeweilige Bildgestaltung für AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (1973), NEAPOLITANISCHE GESCHWISTER (1979) und zuletzt im Jahr 1989 für WALLERS LETZTER GANG von Christian Wagner. Daneben gewann Mauchs Regiearbeit STRAFPROTOKOLL ALLER UND JEDER UNTERTANEN 1976 beim Filmfestival Mannheim den Goldenen Dukat. Seine Kameraarbeit für Eva Hillers UNSICHTBARE TAGE wurde 1991 mit dem Hessischen Filmpreis für Kamera prämiert.

    Filmografie

    2014 LOS ENEMIGOS DEL DOLOR

    Regie: Arauco Hernández Holz

    2014 FROLLEIN FRAPPÉ (Kurzfilm)

    Regie: Vanessa Aab

    2013 SAROYAN ÜLKESI (SAROYAN LAND) (Dokumentarfilm)

    Regie: Lusin Dink

    2012 EL BELLA VISTA (Dokumentarfilm)

    Regie: Alicia Cano Menoni

    2010/2011 HOPFENSOMMER (TV)

    Regie: Christian Wagner

    2009 HUNGER

    Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

    2008 WIR WAREN SO FREI – EIN FILM ÜBER EINEN FILM

    Regie: Thomas Knauf

    2007/2008 MOZART IN CHINA

    Regie: Bernd Neuburger, Nadja Seelich

    2006/2007 DIE FLUCHT DER FRAUEN (TV-Dokumentarfilm)

    Regie: Klaudia Reynicke

    2006 HEIMAT FRAGMENTE: DIE FRAUEN

    Regie: Edgar Reitz

    2006 50 FILMS TO SEE BEFORE YOU DIE

    Regie: Olivia Blythman, Richard Mortimer, Suart Ramsay

    2005 HITLERKANTATE

    Regie: Jutta Brückner

    2004-2008 ICH WILL DA SEIN – JENNY GRÖLLMANN (Dokumentarfilm)

    Regie: Petra Weisenburger

    2004-2006 STILLE SEHNSUCHT – WARCHILD

    Regie: Christian Wagner

    2003 HERBERT MARCUSE ODER DIE ASCHE DER REVOLUTION (Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Knauf

    2002-2004 HEIMAT 3 – CHRONIK EINER ZEITENWENDE. 4. TEIL: ALLEN GEHT’S GUT (1995)

    Regie: Edgar Reitz

    2002-2004 HEIMAT 3 – CHRONIK EINER ZEITENWENDE. 3. TEIL: DIE RUSSEN KOMMEN (1992-1993)

    Regie: Edgar Reitz

    2002-2004 HEIMAT 3 – CHRONIK EINER ZEITENWENDE. 2. TEIL: DIE WELTMEISTER (1990)

    Regie: Edgar Reitz

    2002-2004 HEIMAT 3 – CHRONIK EINER ZEITENWENDE. 1. TEIL: DAS GLÜCKLICHSTE VOLK DER WELT (1989)

    Regie: Edgar Reitz

    2001 LA MOITIÉ DU CIEL

    Regie: Alain Mazars

    2000/2001 EIN FALL FÜR ZWEI (Episode: CODE MIRA) (TV-Serie)

    Regie: Dieter Laske

    2001 KINO DER FISCHE (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Helma Sanders-Brahms

    2000 DIE KOMISSARIN (Episoden: DER TOTE AUS DER WAGENBURG / LIEBE UND TOD) (TV-Serie)

    Regie: Charly Weller

    2000 EIN FALL FÜR ZWEI (Episode: SCHNEETREIBEN) (TV-Serie)

    Regie: Stefan Mohrbutter

    2000 EIN FALL FÜR ZWEI (Episode: SPIEL, SATZ UND MORD) (TV-Serie)

    Regie: Kilian Riedhof

    1999-2000 SAINT CYR (DIE SCHULE DER VERLORENEN MÄDCHEN)

    Regie: Patricia Mazuy

    1999 SCHWARZ GREIFT EIN (EPISODEN: DIE GROSSE VERSUCHUNG / HEISSE LIEBE) (TV-Serie)

    Regie: Charly Weller

    1999 THE TALE OF SWEETY BARRETT

    Regie: Stephen Bradley

    1998/1999 MEIN LIEBSTER FEIND (Dokumentarfilm)

    Regie: Werner Herzog

    1997 WALLI, DIE EISFRAU (TV)

    Regie: Wilhelm Engelhardt

    1995/1996 REISEN INS LEBEN

    Regie: Thomas Mitscherlich

    1996 DIE KOMISSARIN (EPISODE: TODESMELODIE) (TV-Serie)

    Regie: Wilhelm Engelhardt

    1995 ORSON WELLES. THE ONE-MAN BAND (Dokumentarfilm)

    Regie: Vassili Silovic, Oja Kodar

    1994/1995 UNDERCOVER

    Regie: Philip Davis

    1994/1995 ZWEIUNDDREISSIG RICHTUNGEN DER WINDROSE (Dokumentarfilm)

    Regie: Guido Wenzl

    1993-1995 TRANSATLANTIS

    Regie: Christian Wagner

    1993 VOM MÖRDER UND SEINER FRAU (TV)

    Regie: Wolfgang B. Heine

    1993 AUF WIEDERSEHEN AMERIKA

    Regie: Jan Schütte

    1992/1993 DES LEBENS SCHÖNSTE SEITEN (TV)

    Regie: Wolfgang B. Heine

    1992/1993 DIE DENUNZIANTIN

    Regie: Thomas Mitscherlich

    1991/1992 EIN LIED FÜR BEKO

    Regie: Nizamettin Ariç

    1991 MOCCA FÜR DEN TIGER (TV)

    Regie: Thomas Nennstiel

    1990/1991 WUNDERJAHRE (TV)

    Regie: Arend Agthe

    UNSICHTBARE TAGE ODER DIE LEGENDE VON DEN WEISSEN KROKODILEN (Dokumentarfilm)

    Regie: Eva Hiller

    1990 MURDER EAST – MURDER WEST (MORD OST – MORD WEST)

    Regie: Peter Smith

    1989/1990 BUTTERBROT

    Regie: Gabriel Barylli

    1989/1990 DAS SCHNELLSTE PFERD DER WELT. SIGLAVY SLAVA I. (TV-Dokumentartfilm)

    Regie: Didi Benoit

    1989 IM GRUNDE MEINES HERZENS BIN ICH ELEKTRIKER (TV)

    Regie: Thomas Nennstiel

    1989 ZUG (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch, Christian Wagner

    1988/1989 MARIA VON DEN STERNEN

    Regie: Thomas Mauch

    1988/1989 WALLERS LETZTER GANG

    Regie: Christian Wagner

    1987/1988 FUSSEL (Kurz-Experimentalfilm)

    Regie: Thomas Struck

    1987/1988 ADRIAN UND DIE RÖMER

    Regie: Thomas Mauch, Klaus Bueb

    1987-1989 ES IST NICHT LEICHT EIN GOTT ZU SEIN (UN DIEU REBELLE)

    Regie: Peter Fleischmann

    1987 FARBE BEKENNEN (Werbefilm)

    Regie: Helke Sander

    1987 COBRA VERDE

    Regie: Werner Herzog

    1986/1987 AQUAPLANING (TV)

    Regie: Eva Hiller

    1986/1987 EIN TREFFEN MIT RIMBAUD

    Regie: Ernst-August Zurborn

    1986/1987 WAR ZONE (TODESZONE)

    Regie: Nathaniel Gutman

    1986/1987 DAS WEITE LAND

    Regie: Luc Bondy

    1986 DAS ALTE LADAKH

    Regie: Clemens Kuby

    1986 VERMISCHTE NACHRICHTEN

    Regie: Alexander Kluge

    1985 NICHT NICHTS OHNE DICH

    Regie: Pia Frankenberg

    1985 DER GALAXENBAUER (TV)

    Regie: Kurt K. Hieber

    1985 DER T-MANN (TV)

    Regie: Klaus Bueb

    1985 DIE ACHSE (TV-Kurzfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1985 DER ANGRIFF DER GEGENWART AUF DIE ÜBRIGE ZEIT (Dokumentarfilm)

    Regie: Alexander Kluge

    1984/1985 ANDRÉ HELLER SIEHT SEIN FEUERWERK (Dokumentarfilm)

    Regie: Hans-Jürgen Syberberg

    1984-1986 STURZ DURCH TRÄUME. ANDRÉ HELLERS FEUERBILDER

    Regie: Günther Hörmann, Thomas Mitscherlich, Detlef Saurin

    1984 EIN FRIEDLICHES PAAR (Kurzfilm)

    Regie: Ursula West

    1984 DIE HERMANNSSCHLACHT (Bühnenstück)

    Regie: Claus Peymann

    1983/1984 AUF DER SUCHE NACH EINER PRAKTISCH REALISTISCHEN HALTUNG (Dokumentarfilm)

    Regie: Alexander Kluge

    1983/1984 DER ANSCHLAG (Kurzfilm)

    Regie: Pia Frankenberg

    1983 NOCH EIN JAHR UND SECHS TAGE (TV)

    Regie: Alexander von Eschwege

    1983 DER 14. GESANG (TV-Kurzfilm)

    Regie: Martin Ebbing

    1983 DINGO (TV)

    Regie: Ilse Hoffmann

    1983 HEINRICH PENTHESILEA VON KLEIST

    Regie: Hans Neuenfels

    1983 DIE MACHT DER GEFÜHLE

    Regie: Alexander Kluge

    1982/1983 KRIEG UND FRIEDEN

    Regie: Alexander Kluge, Stefan Aust, Axel Engstfeld, Volker Schlöndorff

    1982-1984 VATER UND SOHN (TV)

    Regie: Thomas Mitscherlich

    1982 KIEZ – AUFSTIEG UND FALL EINES LUDEN

    Regie: Walter Bockmayer, Rolf Bührmann

    1982 STERN DES MÉLIÈS (Experimentalfilm)

    Regie: Dore O.

    1982 FITZCARRALDO

    Regie: Werner Herzog

    1981 EIN FALL FÜR ZWEI (TV-Serie)

    Regie: Balthasar von Weymarn

    1981 DIE BERÜHRTE (NO MERCY, NO FUTURE)

    Regie: Helma Sanders-Brahms

    1981 DIE LEIDENSCHAFTLICHEN (TV)

    Regie: Thomas Koerfer

    1980/1981 DESPERADO CITY

    Regie: Vadim Glowna

    1980/1981 ZORN ODER MÄNNERSACHE (6. TODSÜNDE)

    Regie: Alexander J. Seiler

    1980 STOLZ ODER DIE RÜCKKEHR (3. TODSÜNDE)

    Regie: Friedrich Kappeler

    1980 DER KANDIDAT (Dokumentarfilm)

    Regie: Stefan Aust, Alexander von Eschwege, Alexander Kluge, Volker Schlöndorff

    1980 HUIE’S PREDIGT (Dokumentarfilm)

    Regie: Werner Herzog

    1980 GLAUBE UND WÄHRUNG – DR. GENE SCOTT, FERNSEHPREDIGER (Dokumentarfilm)

    Regie: Werner Herzog

    1979/1980 PALERMO ODER WOLFSBURG

    Regie: Werner Schroeter

    1979 DIE PATRIOTIN

    Regie: Alexander Kluge

    1978 NEAPOLITANISCHE GESCHWISTER (TV)

    Regie: Werner Schroeter

    1978 TOD EINES VATERS (TV)

    Regie: Thomas Mauch

    1977 ZU BÖSER SCHLACHT SCHLEICH ICH HEUT NACHT SO BANG

    Regie: Alexander Kluge

    1976/1977 HEINRICH

    Regie: Helma Sanders-Brahms

    1976-1978 KUNST IST FESSELN (TV-Dokumentarfilm)

    Regie: Isolde Jovine, Hans Brockmann

    1976-1978 WAS ICH BIN, SIND MEINE FILME (Dokumentarfilm)

    Regie: Christian Weisenborn, Erwin Keusch

    1976 STROSZEK

    Regie: Werner Herzog

    1976 ERIKAS LEIDENSCHAFTEN (TV)

    Regie: Ula Stöckl

    1976 STRAFPROTOKOLL ALLER UND JEDER UNTERTANEN (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1976 DAS ULMER HORN (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1976 HOW MUCH WOOD WOULD A WOODCHUCK CHUCK (Dokumentarfilm)

    Regie: Werner Herzog

    1975/1976 DER STARKE FERDINAND

    Regie: Alexander Kluge

    1975/1976 SHIRINS HOCHZEIT

    Regie: Helma Sanders-Brahms

    1975/1976 UNIE FILLE UNIQUE (AUSGETRETENE WEGE)

    Regie: Philippe Nahoun

    1975 DIE VERWANDLUNG (METAMORPHOSIS) (TV)

    Regie: Jan Němec

    1975 POPP UND MINGEL (TV)

    Regie: Ula Stöckl

    1974/1975 GLÜCK HAT FLÜGEL (TV)

    Regie: Thomas Mauch

    1974/1975 UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND

    Regie: Helma Sanders-Brahms

    1973/1974 FEINDE FÜRS LEBEN (TV)

    Regie: Thomas Mauch

    1973 GELEGENHEITSARBEIT EINER SKLAVIN

    Regie: Alexander Kluge

    1973 DIE SACHE MIT DEM GÄRTNER (TV)

    Regie: Thomas Mauch

    1973 BESITZBÜRGERIN, JAHRGANG 1908 (Dokumentarfilm)

    Regie: Alexander Kluge

    1972 AGUIRRE, DER ZORN GOTTES

    Regie: Werner Herzog

    1971/1972 DER WELT ZEIGEN, DASS MAN NOCH DA IST (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1971 VORFRÜHLING (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Martin Ripkens, Hans Stempel

    1971 WIR VERBAUEN 3 X 27 MILLIARDEN DOLLAR IN EINEN ANGRIFFSCHLACHTER (Kurzfilm)

    Regie: Alexander Kluge

    1971 WILLI TOBLER UND DER UNTERGANG DER 6. FLOTTE

    Regie: Alexander Kluge

    1970 HANDICAPS (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Martin Ripkens, Hans Stempel

    1970 EINE ANTIAUTORITÄRE FRAU? (TV)

    Regie: Thomas Mauch

    1970 AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN

    Regie: Werner Herzog

    1969/1970 DER GROSSE VERHAU

    Regie: Alexander Kluge

    1969 DIE FLIEGENDEN ÄRZTE VON OSTAFRIKA (Dokumentarfilm)

    Regie: Werner Herzog

    1968 FILMSTUNDE (Dokumentarfilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1968 LAOS (TV)

    Regie: Werner R. Gallé, Thomas Mauch

    1968 NEUN LEBEN HAT DIE KATZE

    Regie: Ula Stöckl

    1968 FEUERLÖSCHER E. A. WINTERSTEIN

    Regie: Alexander Kluge

    1967-1969 DIE UNBEZÄHMBARE LENI PEICKERT

    Regie: Alexander Kluge

    1967/1968 LETZTE WORTE (Kurzfilm)

    Regie: Werner Herzog

    DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS

    Regie: Alexander Kluge

    1967 FRAU BLACKBURN, GEB. 5. JAN. 1987, WIRD GEFILMT (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Alexander Kluge

    1967 PANEK (Kurzfilm)

    Regie: Theodor Kotulla

    1966/1967 SCHLAGERFILME (Kurzfilme)

    Regie: Edgar Reitz

    1966/1967 FUSSNOTEN

    Regie: Edgar Reitz

    1966/1967 MAHLZEITEN

    Regie: Edgar Reitz

    1966/1967 ZUM BEISPIEL BRESSON (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Theodor Kotulla, Martin Ripkens, Hans Stempel

    1966/1967 WIR WAREN VORBEREITET, FÜR DONNERSTAG, MORGENS UM SECHS IN DEN STREIK ZU TRETEN (Dokumentarfilm)

    Regie: Günther Hörmann

    1966 DIE KINDER (Kurzfilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1965/1966 ABSCHIED VON GESTERN

    Regie: Alexander Kluge

    1965/1966 DIE WAHL. DER WAHLKAMPF IN NEU-ULM, 1965 (Dokumentarfilm)

    Regie: Wilfried E. Reinke

    1965 HABEN SIE ABITUR? (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Ula Stöckl

    1964/1965 FORMOSA (TV)

    Regie: Thomas Mauch, Werner E. Gallé

    1964/1965 DER WALD VON OVERLOON (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch, Werner E. Gallé

    1964/1965 VARIAVISION. UNENDLICHE FAHRT – ABER BEGRENZT (Experimentalwerbefilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1964 GENERAL YEH (Kurz-Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1964 TUNNEL 57 (Dokumentarfilm)

    Regie: Thomas Mauch

    1963/1964 DER CHEF WÜNSCHT KEINE ZEUGEN

    Regie: Hans Albin, Peter Berneis

    1962/1963 GESCHWINDIGKEIT. KINO EINS (Kurzfilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1962 ASTA-ARZNEIMITTEL (Werbefilm)

    Regie: Georg Zauner

    1960 METROPOLEN I – IV (Industriefilme)

    Regie: Edgar Reitz

    1960 ÄRZTEKONGRESS (Industriefilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1959/1960 YUCATAN (Dokumentarfilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1959/1960 BAUMWOLLE (Industriefilm)

    Regie: Edgar Reitz

    1959 KREBSFORSCHUNG I UND II (Industriefilme)

    Regie: Edgar Reitz

    Jurybegründung

    Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Thomas Mauch zu den prägendsten Bildgestaltern des Neuen Deutschen Films – ja, eigentlich des deutschen Films der letzten 50 Jahre insgesamt –
    gehört. Seit seinen ersten Filmarbeiten Ende der 1950er Jahre bei Dokumentar- und Industriefilmen mit Edgar Reitz als Regisseur hat der 1937 in Heidenheim an der Brenz geborene Mauch eine singuläre und herausragende Karriere als Kameramann vorzuweisen. Zentral in seiner Filmografie stehen die langjährigen Zusammenarbeiten mit Alexander Kluge (achtzehn kurze, mittellange und lange Filme) und Werner Herzog (zehn Filme). Weitere wichtige Meilensteine sind zwei Filme für Werner Schroeter und eine Reihe von Arbeiten mit Regisseurinnen wie Helma Sanders-Brahms, Ula Stöckl, Jutta Brückner und Pia Frankenberg.

    Wie viele herausragende Kameraleute hat auch Mauch beim Dokumentarfilm begonnen: Seine ersten Arbeiten entstanden im Rahmen seiner Dozentur an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wo auch der Kontakt zu Reitz, Kluge und Herzog zustande kam. Der dokumentarische Ansatz beziehungsweise die Verschränkung und wechselseitige Befruchtung dokumentarischer und fiktionalisierender (Bild-)Elemente zieht sich durch Mauchs Gesamtwerk und ist auch in vielen der von ihm fotografierten Spielfilme deutlich auszumachen. Einen spezifisch individuellen Stil will er darin aber nicht erkannt wissen; ganz im Gegenteil hat er mehrfach betont, keine persönlichen stilistischen Merkmale ausprägen zu wollen.

    Noch in einer anderen Hinsicht hat Thomas Mauch einen gewaltigen Anteil an der visuellen Erscheinung des deutschen Films: Zu seinen Assistenten und Assistentinnen gehören über die Jahrzehnte seiner Tätigkeit mit Jörg Schmidt-Reitwein, Dietrich Lohmann, Martin Schäfer, Frank Brühne, Werner Lüring, Rainer Klausmann und Judith Kaufmann eine erstaunliche Liste von einflussreichen Bildgestalterinnen und Bildgestaltern. Wohl kein anderer deutscher Kameramann hat über die Ausbildung einen so großen Einfluss auf das Aussehen des deutschen Films von den 1960er Jahren bis heute genommen. Sogar an der internationalen Karriere des 2015 mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichneten Edward Lachman war Mauch nicht unbeteiligt: Lachman assistierte Mauch bei Herzogs STROSZEK (1977) wie auch bei dessen Kurzfilmen HOW MUCH WOOD WOULD A WOODCHUCK CHUCK (1976) und HUIE’S PREDIGT (1980) und führte dabei jeweils die zweite Kamera. Und als Produzent von Werner Schroeters visuell eigensinnigem Triptych PALERMO ODER WOLFSBURG (1980) bewies Mauch großen Mut und trug auch in dieser Funktion zum Neuen Deutschen Film bei.

    Selbst wenn Mauch sich nicht auf einen erkennbaren Bildstil festlegen lässt, so gibt es doch einige wiederkehrende Interessen und Merkmale in der visuellen Gestaltung: Eine Reihe von Filmen
    zeigt ein klar konturiertes, fast schon hartes Schwarz-Weiß, so unter anderem ABSCHIED VON GESTERN (Kamera gemeinsam mit Edgar Reitz), LEBENSZEICHEN, AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN und UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND. Damit war Mauch entscheidend verantwortlich für ein Markenzeichen des Jungen Deutschen Films – ein scharf pointiertes, gleichzeitig aber auch lebendig-pulsierendes Schwarz-Weiß, das die Grauwerte konsequent ausschöpfte. AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN und UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND zeichnen sich darüber hinaus durch die große Mobilität der Aufnahmeapparatur und die fast schon autonome Spontaneität der Kamerabewegung aus. Gerade Mauchs Können darin, die Bewegung vor der Kamera mit der Eigenbewegung des Aufnahmegeräts in ein produktives Spannungsverhältnis zu setzen, ist immer wieder anerkennend hervorgehoben worden.

    Was das Licht angeht, so bevorzugt Mauch „eine klare, integrierte Kamerakonzeption und ein sauberes, unaufdringliches Licht, das sich so weit als möglich nach Dekors, Raumatmosphären
    und Schauspielern zu richten versucht, anstatt ihnen um jeden Preis eine eigene, spezifische ‚Beleuchtung‘ verleihen zu wollen.“ (Peter Körte, CineGraph). Dennoch finden sich auch bei der
    Lichtsetzung, die sich insgesamt weniger prononciert als die Kamerabewegung in den Vordergrund schiebt, bestimmte ästhetische Vorlieben, so ein besonderes Interesse am Gegenlicht, das Personen und Objekte konturiert und mitunter fast schon plastische Körper schafft.

    Gelegentlich ist Thomas Mauch auch als „Landschaftsmaler“ unter den deutschen Kameraleuten bezeichnet worden – die Kadrage, die Wahl des Standortes und die Distanz zu den Objekten
    machen immer wieder etwas sichtbar, das einem flüchtigen Blick verborgen bleibt. Dabei kann man etwa an die surrealen und lebensfeindlichen Orte bei Werner Herzog (das Amazonasgebiet
    in AGUIRRE und FITZCARRALDO, die sturmumtosten Kanaren in AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN, das winterliche Wisconsin in STROSZEK) denken, aber auch das von der Moderne abgehängte Allgäu in WALLERS LETZTER GANG oder die bundesrepublikanischen Stadtlandschaften im Umbruch, die die feministischen und semi-dokumentarischen Arbeiten der 1970er Jahre prägen (z.B. in UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND). Bis zu einem gewissen Grad im Kontrast dazu steht die modernistische Reflexivität, die die montageintensiven Essays von Alexander Kluge auszeichnen, bei denen die Spuren der Kameraarbeit nicht immer ganz einfach zu isolieren sind. Gerade für Kluge, der Mauchzum 80. Geburtstag kürzlich einen schönen Filmessay widmete, ist Mauch über die Jahre zu einem kongenialen Partner geworden.

    Thomas Mauch hat sich in seiner reichhaltigen bildkünstlerischen Tätigkeit niemals dem Massengeschmack angebiedert und ist auch keinen aktuellen Moden blind gefolgt. Dabei hat er
    über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren hinweg einen herausragenden Korpus an Filmen visuell gestaltet und sich so nachhaltig um die deutsche Filmkultur verdient gemacht. Neben den
    zahlreichen stilbildenden Meilensteinen und den ästhetisch eigenständigen Solitären (z.B. DESPERADO CITY, 1981) finden sich in seinem reichen Werk auch zahlreiche Filme, die sich weder für
    den Mainstream noch für den Massenerfolg interessiert haben, sondern stets einen eigenen Weg gesucht haben. Diese gilt es in ihrer diversen Vielfältigkeit wiederzuentdecken.