2020: Philippe Rousselot

Philippe Rousselot

Preisträger des Jahres 2020/21

Philippe Rousselot (Copyright by David Bundy Montgomery)

Somebody had the nerve to look at reality and say: I like that. I’m going to put that on film exactly the way it is and not overwhelm the image with my technology or my craft or my personality.

Philippe Rousselot (Movie Maker magazine, 1998)

Der französische Kameramann Philippe Rousselot (geb. 1945 in Briey im Département Meurthe-et-Moselle) arbeitet seit fast 50 Jahren als bildgestaltender Kameramann. Insgesamt ist er für die Bilder bei rund 70 abendfüllenden Filmen verantwortlich. Hinzu kommen etliche Dokumentar- und Kurzfilme sowie Fernsehfilme und -serien. Rousselots umfangreiches Werk umspannt einen nicht unerheblichen Teil der Filmgeschichte und reicht von der Nouvelle Vague bis hin zum aktuellen CGI-Effektkino.

Bereits im Alter von elf Jahren entdeckte Rousselot seine Begeisterung für das Medium Film durch die Werke Jean Cocteaus, die den jungen Rousselot nach eigener Angabe „emotional, visuell und intellektuell“ stark bewegten und ihm wie „pure Magie“ vorgekommen seien. Davon ausgehend setzte sich Rousselot früh mit den Filmen von Bergman und Fellini sowie den Vertretern des deutschen Expressionismus auseinander. In den Jahren 1964 bis 1966 studierte Rousselot Film an der École nationale supérieure Louis-Lumière in Paris.

Rousselot begann seine illustre Karriere als Kameraassistent des großen spanischen Bildgestalters Néstor Almendros bei den Filmen MA NUIT CHEZ MAUD (1969), LE GENOU DE CLAIRE (1970) sowie L’AMOUR L’APRÈS-MIDI (1972), jeweils unter der Regie von Éric Rohmer. Der Einfluss Almendros‘ lässt sich nicht zuletzt an Rousselots souveränem Umgang mit natürlichem Licht erkennen.

Es folgten Arbeiten als Kameramann bei einigen Kurzfilmen, bevor Rousselot 1972 mit Guy Gilles‘ ABSENCES RÉPÉTÉES seinen ersten Langfilm als bildgestaltender Chefkameramann fotografierte. In den darauffolgenden Jahren etablierte sich Rousselot als einflussreicher Kameramann der Post-Nouvelle-Vague-Generation bei Filmen wie Frank Cassentis L’AFFICHE ROUGE (1976), Diane Kurys‘ DIABOLO MENTHE (1977) oder LA DRÔLESSE (1979) von Jacques Doillon.

Der endgültige Durchbruch gelang Rousselot durch seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jean-Jacques Beineix. Für die von der Fotografie inspirierten Kameraarbeit bei dessen Film DIVA erhielt Rousselot seinen ersten César und schuf mit seinen hochgradig stilisierten Bildern zugleich die Blaupause des „Cinéma du look“. Mit Beineix drehte Rousselot kurz darauf den visuell ebenfalls brillanten LA LUNE DANS LE CANIVEAU (1983).

Mit der Kameraarbeit an John Boormans THE EMERALD FOREST (1985), für den er mit dem British Academy Film Award ausgezeichnet wurde, gelang Rousselot der Sprung ins internationale Filmgeschäft. Mit Boorman realisierte Rousselot noch zwei weitere Filme HOPE AND GLORY (1987), für den er seine erste Oscarnominierung für die beste Kamera erhielt, sowie THE TAILOR OF PANAMA (2001). 1988 führte Rousselot die Kamera bei Stephen Frears‘ DANGEROUS LIAISONS.

Trotz des internationalen Erfolgs wirkte Rousselot nach wie vor auch an erfolgreichen französischen Produktionen mit. Für die Bildgestaltung von Alain Cavaliers THÉRÈSE (1986) erhielt der Kameramann wiederum einen César. 1989 trugen seine dokumentarisch anmutenden Aufnahmen erheblich zum großen Erfolg von Jean-Jacques Annauds L‘OURS bei.

Anfang der 1990er-Jahre begann Rousselot, verstärkt in Hollywood zu arbeiten. Für HENRY & JUNE (1990) von Philip Kaufman erhielt er seine zweite Oscarnominierung. Im folgenden Jahr gewann er dann die begehrte Trophäe für seine Arbeit an Robert Redfords Literaturverfilmung A RIVER RUNS THROUGH IT.

Im Verlauf des Jahrzehnts wirkte Rousselot als Bildgestalter an großen Filmproduktionen wie Neil Jordans INTERVIEW WITH THE VAMPIRE: THE VAMPIRE CHRONICLES (1994) und THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT (1996) von Miloš Forman mit. 1997 legte der Kameramann mit THE SERPENT‘S KISS, der in Cannes um die Palme d’Or konkurrierte, sein Regiedebüt vor. Auch anhand dieser drei Filme zeigt sich die auffällig große Anzahl an Filmen mit historischem Setting in Rousselots Filmografie.

Das neue Jahrtausend leitete für Rousselot eine Reihe von Kollaborationen mit Regisseur Tim Burton ein. Die beiden realisierten gemeinsam die Filme PLANET OF THE APES (2001), BIG FISH (2003) und CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY (2005). Diese Filme, die in weiten Teilen auf eine CGI-gestützte Ästhetik zurückgreifen, stellten eine neue Herausforderung dar, der sich Rousselot souverän stellte, ohne seine sorgfältige Arbeit am Licht zu vernachlässigen.

Mit Erfolg: Guy Ritchie engagierte ihn für seine Filme SHERLOCK HOLMES (2009) und SHERLOCK HOLMES: A GAME OF SHADOWS (2011). Es folgten weitere große Hollywood-Produktionen wie Tom Hanks‘ LARRY CROWNE (2011) und THE NICE GUYS (2016) von Shane Black. Zuletzt arbeitete Rousselot höchst erfolgreich an den beiden Harry Potter-spin offs FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM (2016) und FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD (2018) von David Yates.

FILMOGRAFIE

2018

FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD (PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN)

Regie: David Yates

2016

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM (PHANTASTISCHE TIERWESEN UND WO SIE ZU FINDEN SIND)

Regie: David Yates

THE NICE GUYS

Regie: Shane Black

2013

BEAUTIFUL CREATURES (BEAUTIFUL CREATURES – EINE UNSTERBLICHE LIEBE)

Regie: Richard LaGravenese

2011

SHERLOCK HOLMES: A GAME OF SHADOWS (SHERLOCK HOLMES: SPIEL IM SCHATTEN)

Regie: Guy Ritchie

A BIRD OF THE AIR

Regie: Margaret Whitton

LARRY CROWNE

Regie: Tom Hanks

2010

UN RENDEZ-VOUS (Werbe-Kurzfilm)

Regie: Guy Ritchie

PEACOCK

Regie: Michael Lander

2009

SHERLOCK HOLMES

Regie: Guy Ritchie

2007

THE GREAT DEBATERS

Regie: Denzel Washington

LIONS FOR LAMBS (VON LÖWEN UND LÄMMERN)

Regie: Robert Redford

THE BRAVE ONE (DIE FREMDE IN DIR)

Regie: Neil Jordan

2005

CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY (CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK)

Regie: Tim Burton

CONSTANTINE

Regie: Francis Lawrence

2003

BIG FISH (BIG FISH – DER ZAUBER, DER EIN LEBEN ZUR LEGENDE MACHT)

Regie: Tim Burton

2002

ANTWONE FISHER

Regie: Denzel Washington

2001

PLANET OF THE APES (PLANET DER AFFEN)

Regie: Tim Burton

THE TAILOR OF PANAMA (DER SCHNEIDER VON PANAMA)

Regie: John Boorman

2000

REMEMBER THE TITANS (GEGEN JEDE REGEL)

Regie: Boaz Yakin

1999

RANDOM HEARTS (BEGEGNUNG DES SCHICKSALS)

Regie: Sydney Pollack

INSTINCT (INSTINKT)

Regie: Jon Turteltaub

1997

THE SERPENT’S KISS (DER SCHLANGENKUSS)

Regie: Philippe Rousselot

(Kamera: Jean-François Robin)

1996

THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT (LARRY FLYNT – DIE NACKTE WAHRHEIT)

Regie: Miloš Forman

MARY REILLY

Regie: Stephen Frears

1994

INTERVIEW WITH THE VAMPIRE: THE VAMPIRE CHRONICLES (INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR)

Regie: Neil Jordan

LA REINE MARGOT (DIE BARTHOLOMÄUSNACHT)

Regie: Patrice Chéreau

1993

FLESH AND BONE (EIN BLUTIGES ERBE)

Regie: Steve Kloves

SOMMERSBY

Regie: Jon Amiel

1992

A RIVER RUNS THROUGH IT (AUS DER MITTE ENTSPRINGT EIN FLUSS)

Regie: Robert Redford

1991

THE MIRACLE (MIRACLE – EIN GEHEIMNISVOLLER SOMMER)

Regie: Neil Jordan

MERCI LA VIE (DEM LEBEN SEI DANK)

Regie: Bertrand Blier

1990

HENRY & JUNE

Regie: Philip Kaufman

1989

WE’RE NO ANGELS (WIR SIND KEINE ENGEL)

Regie: Neil Jordan

TROP BELLE POUR TOI (ZU SCHÖN FÜR DICH)

Regie: Bertrand Blier

1988

DANGEROUS LIAISONS (GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN)

Regie: Stephen Frears

DER BÄR (L’OURS)

Regie: Jean-Jacques Annaud

1987

HOPE AND GLORY (HOFFNUNG UND RUHM)

Regie: John Boorman

1986

THÉRÈSE

Regie: Alain Cavalier

1985

DES TERRORISTES À LA RETRAITE (WIDERSTANDSKÄMPFER IM RUHESTAND) (Dokumentarfilm)

Regie: Mosco Boucault

(Kamera mit Guy-Auguste Boléat, François Catonné, Guy Chanel, Jean Orjollet, Eduardo Serra und Carlo Varini)

THE EMERALD FOREST (DER SMARAGDWALD)

Regie: John Boorman

NIGHT MAGIC

Regie: Lewis Furey

1984

NEMO

Regie: Arnaud Sélignac

LES VOLEURS DE LA NUIT (DIEBE DER NACHT)

Regie: Samuel Fuller

1983

END OF THE RAINBOW (Kurzfilm)

Regie: Laszlo Papas

(Kamera mit Marino Colmano)

LA LUNE DANS LE CANIVEAU (DER MOND IN DER GOSSE)

Regie: Jean-Jacques Beineix

1982

GUY DE MAUPASSANT

Regie: Michel Drach

1981

Diva

Regie: Jean-Jacques Beineix

LA GUEULE DU LOUP

Regie: Michel Léviant

1980

VIVE LA MARIÉE (Kurzfilm)

Regie: Patrice Noïa

LA PROVINCIALE (DIE VERWEIGERUNG)

Regie: Claude Goretta

(Kamera mit Dominique Brenguier)

COCKTAIL MOLOTOV

Regie: Diane Kurys

1979

LA DRÔLESSE (EIN KLEINES LUDER)

Regie: Jacques Doillon

1978

IL ÉTAIT UN MUSICIEN (LEBENSBILDER EINES KOMPONISTEN) (TV-Serie)

(Episoden: MONSIEUR ALBENIZ / MONSIEUR RAVEL)

Regie: Claude Lallemand bzw. Guy Gilles

LES CHEMINS DE L’EXIL OU LES DERNIÈRES ANNÉES DE JEAN-JACQUES ROUSSEAU (FLUCHT INS EXIL) (TV)

Regie: Claude Goretta

PAULINE ET L’ORDINATEUR

Regie: Francis Fehr

(Kamera mit Pierre Dupouey)

1977

JE VEUX MOURIR DANS LA PATRIE DE JEAN-PAUL SARTRE (Kurzfilm)

Regie: Mosco Boucault

DIABOLO MENTHE (DIE KLEINEN PARISERINNEN)

Regie: Diane Kurys

PARADISO

Regie: Christian Bricout

ADOM OU LE SANG D’ABEL

Regie: Gérard Myriam Benhamou

POUR CLÉMENCE

Regie: Charles Belmont

LE COUPLE TÉMOIN

Regie: William Klein

(Kamera mit William Klein)

1976

L’AFFICHE ROUGE (DER ROTE STECKBRIEF)

Regie: Frank Cassenti

1975

CYRUS LE VIOLONCELLISTE

Regie: Fabrice Cazeneuve

IL PLEUT TOUJOURS OÙ C’EST MOUILLÉ

Regie: Jean-Daniel Simon

1974

HISTOIRES D’A (Dokumentarfilm)

Regie: Charles Belmont und Marielle Issartel

1973

LE LAPIN CHASSEUR (Kurzfilm)

Regie: Thomas Lehestre

(Kamera mit Christian Bachmann und Michèle Ferrand-Lafaye)

LA RAISON DU PLUS FOU

Regie: François Reichenbach

(Kamera mit Daniel Cardot, Christian Odasso und Gerard Taverna)

1972

L’AMOUR L’APRÈS-MIDI (DIE LIEBE AM NACHMITTAG)

Regie: Éric Rohmer

(Kamera-Assistenz für Néstor Almendros)

ABSENCES RÉPÉTÉES

Regie: Guy Gilles

1971

CÔTÉ COUR, CÔTÉ CHAMPS (Kurzfilm)

Regie: Guy Gilles

LES YEUX DE MAMAN SONT DES ÉTOILES

Regie: Jacques Robiolles

(Kamera mit Jean-Marie Estève und Claude Reggane)

1970

LE CLAIR DE TERRE

Regie: Guy Gilles

LE GENOU DE CLAIRE (CLAIRES KNIE)

Regie: Éric Rohmer

(Kamera-Assistenz für Néstor Almendros)

UN COUPLE D’ARTISTES (Kurzfilm)

Regie: Bruno Gantillon

1969

MEINE NACHT BEI MAUD (MA NUIT CHEZ MAUD)

Regie: Éric Rohmer

(Kamera-Assistenz für Néstor Almendros)

Es gibt keinen anderen Kameramann, dessen Karriere sich in der Reichweite mit der von Philippe Rousselot vergleichen lässt. Diese spannt sich von der genauen Beobachtung der französischen Alltagswelt in der Nouvelle Vague (bei Éric Rohmer) über das „cinéma du look“ und anspruchsvolle Hollywood-Produktionen bis hin zum zeitgenössischen Special Effects-Kino. Umso bemerkenswerter ist, dass Rousselot in allen diesen Bereichen Außergewöhnliches geleistet hat.

Als Assistent von Néstor Almendros bei mehreren Filmen unter der Regie von Éric Rohmer hat er dessen revolutionären Umgang mit dem natürlichen Licht gelernt und verinnerlicht, der sich in den von Rousselot fotografierten Filmen immer wieder findet. Als wichtiger Bildgestalter der Post-Nouvelle-Vague-Generation führte er seit den 1970er Jahren als verantwortlicher Kameramann für so unterschiedliche Regie-Persönlichkeiten wie Jacques Doillon, William Klein, Diane Kurys und Claude Goretta die Kamera. Seinen eigentlichen Durchbruch auf internationaler Ebene feierte der 1945 im ostfranzösischen Briey geborene Rousselot mit den traumartigen Bildern eines nächtlichen und neon-erleuchteten Paris in DIVA (FR 1981, Jean-Jacques Beineix), bei dem die Künstlichkeit des Lichts und der Farben zu einer wesentlichen Attraktion des Films wurde. In der Rückschau kann man ohne Übertreibung sagen, dass das Etikett „cinéma du look“ zu einem Großteil auf Rousselots Konto geht, der in den surrealen Bildwelten aber immer wieder realistische Akzente einfließen lässt, so dass die Fantasie im Realen verankert bleibt. So ist DIVA erkennbar an Originalschauplätzen gedreht und auch die gewählte Farbdramaturgie hat ihren Ursprung oft in Effekten und Eindrücken der nächtlich-urbanen Lichtkulisse.

Schon bald wurde Rousselot auch für internationale Produktionen engagiert – und entwickelt sich zu einem Spezialisten für Pleinair-Fotografie wie in John Boormans THE EMERALD FOREST (GB 1985, DER SMARAGDWALD) oder Jean-Jacques Annauds L’OURS (1988, DER BÄR). Seinen Höhepunkt findet diese Spezialisierung für die visuelle Modulation von Natur und Originallicht sicher mit seiner Oscar-Auszeichnung für Robert Redfords A RIVER RUNS THROUGH IT (US 1992, AUS DER MITTE ENTSPRINGT EIN FLUSS). Die ikonischen Aufnahmen des Fliegenfischens im ländlichen Montana der 1930er Jahre trugen maßgeblich zum Erfolg des Films bei, der mehrere Traditionslinien in Rousselots Werk vereint. Zum ersten fällt auf, dass Schauspieler, die sich auf den Regiestuhl setzen, ihn gerne für die visuelle Gestaltung ihrer Filme engagieren; so führte er je zweimal die Kamera für Robert Redford und Denzel Washington, einmal für Tom Hanks. Es ist wohl kein Zufall, dass sich Schauspieler gerne seinem Kamerablick anvertrauen. Zum zweiten finden sich zahlreiche Filme in seinem Oeuvre, die im weitesten Sinne ein historisches Setting haben. Bei diesen period pieces geht es jedoch nie um das nostalgische Schwelgen in einer imaginierten Vergangenheit oder die Imitation einer zeittypischen Ästhetik, sondern stets um die präzise Evokation von visuellen Stimmungen. Und schließlich zeichnet Rousselot ein Faible für die subtile, aber doch spürbare Modulation des natürlichen Lichts aus.

In diesem Zusammenhang hat Rousselot Folgendes zu Protokoll gegeben: „Ein Kinematograph entwickelt im Laufe der Zeit ein Arsenal von Bildern: das erste Licht der Morgendämmerung, die Abenddämmerung, die Schatten, die sich am Abend verlängern, ein vom Kerzenlicht erleuchteter Raum, Neonröhren an der Decke eines Büros, ein Gesicht im Halbdunkel oder scheinbar endlose Reflexionen auf der Oberfläche eines Sees. Mit diesen Lichtern in seiner Vorstellung wird der DoP nicht nur in der Lage sein, die Realität […] auf Film darzustellen, sondern auch zu verstehen, zu analysieren und zu entschlüsseln, was er sieht.“ (Philippe Roussellot: La Sagesse du Chef Opérateur, Paris, 2013; eig. Übers.)

Seit nunmehr dreißig Jahren hat er stetig an herausragenden internationalen Produktionen mitgewirkt; so haben bekannte Regisseuren mit großem Gespür für Visualität wie Neil Jordan, Stephen Frears, Tim Burton und John Boorman mehrfach auf seine Dienste zurückgegriffen. In den letzten Jahren hat er auch Erfahrungen in den hochbudgetierten und CGI-lastigen Special Effects-Filmen der SHERLOCK HOLMES- (Regie: Guy Ritchie) und FANTASTIC BEASTS-Reihe (Regie: David Yates) gemacht. Seine Variabilität und Flexibilität ermöglichen es Rousselot, kongenial an kleinen Arthouse-Produktionen, aber auch an generalstabsmäßig geplanten CGI-Feuerwerken mitzuwirken, ohne sich und seine Prinzipien dabei zu verleugnen.

Grundsätzlich entwickelt Rousselot in seinen Filmen eine Arbeitsweise, welche die Erfahrung des natürlichen Lichtes in differenzierten, lyrischen Formen der Ausleuchtung der Körper und der Gesichter in seiner Fotografie sichtbar werden lässt. Den revolutionären Zugang zum natürlichen Licht, das er mit Spiegeln und Reflektoren nutzt, verdeutlicht die große Bedeutung des indirekten, reflektierten Lichts für die Darstellung sensibler Texturen wie beispielsweise jener der Haut oder der eines Gesichts. Er entwickelt daraus – in Anknüpfung an seinen Lehrer Almendros – Methoden der Lichtführung, die einen so nachhaltigen Einfluss auf die Kinematografie ausüben, dass heutige Kameraleute implizit die elementaren Lichtkonzeptionen Rousselots in ihre Arbeit einbeziehen und seine Erfahrungen für eine kontrastreiche und dennoch weiche, von den Qualitäten des natürlichen Lichts bestimmte Lichtführung nutzen. Rousselot wurde vielfach ausgezeichnet (Oscar, BAFTA, César, ASC Awards) und ist Mitglied der Association française des directeurs de la photographie cinématographique (AFC) und der American Society of Cinematographers (ASC), die ihm 2017 ihren International Award verlieh. Philipps Rousselots persönliche Art, mit dem Licht zu arbeiten, machte international Schule und ihn zu einem der einflussreichsten Kameraleute der vergangenen Jahrzehnte.