Slawomir Idziak

  • Ich habe kein Vorbild, niemanden der meine Arbeit wirklich beeinflusst. Ich hole mir die Inspiration ausschließlich aus der Literatur, beim Lesen.

    — Slawomir Idziak
    Biografie
    Filmografie

    A Tale of Love and Darkness (2015)

    Die Vermessung der Welt (2012)

    Bitwa Warszawska (2011)

    Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) (director of photography)

    King Arthur (2004)

    Black Hawk Down (2001) (director of photography)

    Lebenszeichen – Proof of Life (2000) (director of photography)

    LiebesLuder (2000)

    Paranoid – 48 Stunden in seiner Gewalt (2000/I)

    Love & Rage (2000)

    The Last September (1999) (director of photography)

    I Want You (1998/I) (director of photography)

    Gattaca (1997) (director of photography)

    Men with Guns (1997/II)

    Commandments (1997) (director of photography)

    Lilian’s Story (1996)

    Männerpension (1996)

    Tränen aus Stein (1995)

    Weg der Träume (1995)

    Weltmeister (1994)

    Traumstreuner (1994)

    Drei Farben – Blau (1993) (director of photography)

    Das lange Gespräch mit dem Vogel (1992) (TV movie)

    Die zwei Leben der Veronika (1991)

    Napoléon et l’Europe (1991) (TV series)

    Dekalog (1990) (TV mini-series)
    – Dekalog, piec (1990)

    Kommissarin Goedeke (1990) (TV series)
    – Angst aus der Retorte (1990)
    – Einstand bei Rotlicht (1990)

    Stan posiadania (1989)

    Wherever You Are… (1988)

    Krótki film o zabijaniu (1988)

    Yasemin (1988)

    Wygasle czasy (1987) (documentary)

    Harmagedon (1986)

    Sarah (1986)

    Paradigma (1985)

    Wie ein freier Vogel (1985) (documentary)

    Blaubart (1984) (TV movie)

    Rok spokojnego slonca (1984) (director of photography)

    Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen (1984)

    Jagger und Spaghetti (1984)

    Imperativ (1982)

    Die Unerreichbare (1982) (TV movie)

    Versuchung (1982) (TV movie)

    From a Far Country (1981)

    Kontrakt (1980) (TV movie)

    Constans (1980)

    Dyrygent (1980)

    Nauka latania (1978)

    Powrót (1977) (TV movie)

    Krótka podróz (1977) (TV movie)

    Blizna (1976)

    Partita na instrument drewniany (1976)

    Klaps (1976) (short)

    Bilans kwartalny (1975)

    Przejscie podziemne (1974) (TV short)

    Odejscia, powroty (1973) (TV mini-series)

    Pizama (1971) (TV short)

    Meta (1971) (TV movie) (co-cinematographer)

    Jeszcze slychac spiew i rzenie koni (1971)

    Góry o zmierzchu (1970) (TV short)

    Zbrodniarz, który ukradl zbrodnie (1969)

    Podrózni jak inni (1969) (TV short)

    Zawal serca (1967) (short)

    Auszeichnungen

    2015 Deutscher Kamerapreis für das Lebenswerk

    2013 Camerimage Award für das Lebenswerk

    2004 Marburger Kamerapreis

    2002 Nominiert für Academy Award Best Cinematography für Black Hawk Down (2001)

    2002 Nominiert für BAFTA Award Best Cinematography für Black Hawk Down (2001)

    2002 Nominiert für AFI Award Cinematographer of the Year für Black Hawk Down (2001)

    1994 Nominiert für César Best Cinematography für Drei Farben: Blau (1992)

    1993 Venice Film Festival Kamerapreis für Drei Farben: Blau (1992)

    Jurybegründung

    Mit Slawomir Idziak wird ein Kameramann ausgezeichnet, dessen Arbeit mit Fug und Recht als „universell“ bezeichnet werden kann. Idziak wurde 1945 in Krakau geboren, ist durch die berühmte Filmschule von Lodz und durch die dort praktizierte ganzheitliche Arbeitsweise entscheidend geprägt worden, durch den engen Zusammenhang von Regie und Kamera, von Technik und Ästhetik, von Bild und Erzählung, von Dokumentarischem und Inszeniertem. Ende der 1960er Jahre begann er als Kameramann beim polnischen Fernsehen und rasch arbeitete er mit den wichtigsten Regisseuren des polnischen Kinos zusammen, mit Krzysztof Zanussi, Andrzey Wajda und vor allem mit Krzysztof Kieslowski. Idziak war der Kameramann bei Kieslowskis Kinodebüt (Die Narbe, 1976) und hat durch seine experimentelle Bildgestaltung in der Aufsehen erregenden Kinoversion von Dekalog 5: Ein kurzer Film über das Töten (1988) wesentlich zum internationalen Durchbruch dieses Regisseurs beigetragen. Hier erprobte Idziak zum ersten Mal seine ausgefeilte Kunst der Farbgebung, der Verschiebung und der Variation von Farbwerten. Idziak setzte über 600 handkolorierte Filter ein und erreichte eine bis dahin noch nie gesehene Verdichtung, Vertiefung und Überhöhung des filmischen Bildes. Doch schon vor diesem Welterfolg war Idziak ein international beachteter Kameramann, arbeitete nach 1980 in Deutschland (vor allem mit dem Regisseur Hark Bohm, in den neunziger Jahren dann mit Detlev Buck) und in Frankreich. In die letzten, im Westen entstandenen eindrucksvollen Filme von Kieslowski (Das doppelte Leben der Veronika; Drei Farben: Blau) konnte Idziak somit reiche Erfahrungen einbringen und die ebenso elegante wie eindringliche Bildpoesie dieser Filme entscheidend mitformulieren. Am Ende der 1990er Jahre gelang ihm schließlich mit Gattaca (1997) und Proof of Life (2000) der Sprung nach Hollywood. Für seine Kameraarbeit in dem Kriegsfilm Black Hawk Down (2001) unter der Regie von Ridley Scott wurde er für den Oscar nominiert.

    Mit Slawomir Idziak würdigt der Marburger Kamerapreis einen Weltkameramann, der ein umfangreiches Oeuvre vorzuweisen hat, dessen Arbeit einen Höhepunkt erreicht hat und von dem aber noch viel zu erwarten ist. Die Verleihung lenkt zugleich den Blick auf Osteuropa, auf den Ursprung von Idziaks Kamerakunst, auf den bedeutenden Beitrag des polnischen Films für das europäische Kunstkino. Gerade in Zeiten der EU-Erweiterung ist dies eine produktive und höchst aktuelle Perspektive. Slawomir Idziak, der Virtuose der Farbgebung und der Filter, der selbstbewusst in die Bilder eingreift und sie verwandelt, der an die poetische Kraft der Bilder glaubt, dessen Kamera eine verblüffende, oft aber auch schockierende Nähe zu den Dingen sucht und so ihre Mikrodramatik enthüllt, der sich von seiner starken Musikalität und seinem ausgeprägten Rhythmusgefühl leiten lässt, streitet seit langem leidenschaftlich für eine stärkere Beachtung der bildgestaltenden Arbeit des Kameramanns.

    In einem Interview hat er erklärt:
    „Als Kameramann steht man im Hintergrund. Man ist ein Künstler der zweiten Reihe. Es ist, wie immer, das große Ego-Problem der Regisseure. Beim Drehen erzählen sie dir: Wir, wir, wir. Aber sobald fertig gedreht ist, ändert sich das in: Ich, ich, ich. Aber ich hab‘ mich daran gewöhnt. Das ist das System, in dem wir arbeiten. In dem Moment, in dem ich mich entschied, Kameramann zu werden, war mir klar, dass ich jemand sein werde, der anderen Menschen dient, ihre Träume zu verwirklichen. Und darüber bin ich wirklich glücklich.“