Robby Müller

  • Als ich anfing, habe ich sehr oft Vermeer und Rembrandt angeschaut; hauptsächlich Rembrandt. Ich habe auch sehr oft vor den Schaukästen der Kinos gestanden und so lange die Standfotos studiert, bis ich begriffen hatte, wie die Kameraleute das Licht gemacht hatten.

    — Robby Müller
    Biografie
    Filmografie

    Ashes (2014) (short)

    Nach grauen Tagen (2004)

    Europäische Visionen (2004) (Segment „Prologue“)

    Coffee and Cigarettes (2003) (Kamera) (Segment „Twins“)

    Poem – Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug (2003) (Segmente „Gesang der Geister über den Wassern“, „Nach grauen Tagen“ and „Der Schiffüchige“)

    24 Hour Party People (2002) (Kamera) (als Robby Muller)

    My Brother Tom (2001)

    Dancer in the Dark (2000) (Kamera)

    Ghost Dog – Der Weg des Samurai (1999)

    Shattered Image (1998)

    Tango-Fieber (1997) (als Robby Muller)

    Breaking the Waves (1996)

    Jenseits der Wolken (1995) (Wenders segment)

    Dead Man (1995)

    Hoogste tijd (1995)

    Wenn Schweine fliegen (1993)

    Sein Name ist Mad Dog (1993) (Kamera)

    Bis ans Ende der Welt (1991)

    Korczak (1990)

    Red Hot and Blue (1990) (TV)

    Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (1989)

    Mystery Train (1989) (Kamera)

    Coffee and Cigarettes II (1989)

    Il piccolo diavolo (1988)

    The Believers (1987)

    Barfly (1987)

    Down by Law (1986) (Kamera)

    The Longshot (1986)

    To Live and Die in L.A. (1985) (Kamera) (als Robby Muller)

    Finnegan Begin Again (1985) (TV)

    Body Rock (1984)

    Paris, Texas (1984) (Kamera)

    Repo Man (1984) (Kamera) (als Robby Muller)

    Tricheurs (1984)

    Klassen Feind (1983)

    Un dimanche de flic (1983)

    Les îles (1983)

    Een zwoele zomeravond (1982)

    They All Laughed (1981)

    Honeysuckle Rose (1980)

    Saint Jack (1979)

    Opname (1979)

    Mysteries (1978)

    Die linkshändige Frau (1978)

    Die gläserne Zelle (1978)

    Der amerikanische Freund (1977)

    Die Wildente (1976)

    Im Lauf der Zeit (1976)

    Es herrscht Ruhe im Land (1976)

    Das Double (1975) (TV)

    Falsche Bewegung (1975)

    Ein bißchen Liebe (1974)

    Alice in den Städten (1974)

    Die Eltern (1974) (TV)

    Perahim – die zweite Chance (1974)

    Die Reise nach Wien (1973)

    Der scharlachrote Buchstabe (1973)

    Marie (1972) (TV)

    Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972)

    Overload (1972)

    Can (1972)

    Carlos (1971) (TV)

    Eine Rose für Jane (1970) (TV)

    Der Fall Lena Christ (1970) (TV) (als Robert Müller)

    Pakbo (1970) (TV) (als Robert Müller)

    Jonathan (1970) (als Robert Müller)

    Summer in the City (1970) (als Robert Müller)

    Alabama: 2000 Light Years from Home (1969)

    Toets (1968) (als Rob Müller)

    Auszeichnungen

    2016 Manaki Brothers Film Festival Golden Camera für das Lebenswerk

    2013 International Achievement Award der American Society of Cinematographers für das Lebenswerk

    2009 Bert Haanstra Oeuvreprijs für das Lebenswerk

    2007 Goldenes Kalb: Kulturpreis

    2006 Camerimage Award für das Lebenswerk

    2005 Deutscher Kamerapreis: Auszeichnung als Ehrenkameramann

    2003 Marburger Kamerapreis

    1998 Camerimage Special Award Best Independent Duo (mit Jim Jarmusch)

    1997 National Society of Film Critics Awards NSFC Award (Best Cinematography) für Breaking the Waves (1996) und Dead Man (1995)

    1996 New York Film Critics Circle Best Cinematographer für Breaking the Waves (1996)

    1991 Filmband in Gold für die Kameraführung bei Korczak (1990)

    1985 Bayerischer Filmpreis (Kamerapreis) für Paris, Texas (1984)

    1984 Goldene Kamera für die Kameraführung bei Paris, Texas (1984)

    1983 Filmband in Gold für die Kameraführung bei Klassen Feind (1983)

    1975 Filmband in Gold für die Kameraführung bei Falsche Bewegung (1974)

    Jurybegründung

    Mit dem Marburger Kamerapreis für Robby Müller ehren wir einen Kameramann, dessen Bildsprache in besonderer Weise mit der Avantgarde des zeitgenössischen Films verbunden ist. Während er in seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Wim Wenders, von den Neuentwicklungen des italienischen und französischen Kinos beeinflusst, ein bedeutendes Kapitel des jungen deutschen Films schrieb, entwickelte er zwei Eigenschaften, die sein Werk in besonderer Weise auszeichnen: die Neugierde auf das, was jenseits der Professionalität des Berufes in der Sprache des Kinos zu entdecken ist, und das Vertrauen in die gemeinsam getragene Arbeit an einem Film als ideeller Kraft für die Utopie eines Einzelnen, eines Regisseurs. Ein Ziel zu setzen und die Verantwortung dafür zu teilen, ohne in die Maxime der Perfektion zu verfallen, sich dem Oberflächenglanz der Bilder zu beugen oder „die eigene Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen – und damit die Geschichte mit schönen Bildern zu zerstören“ (zitiert nach: Ettedgui, Peter: Filmkünste Kamera, Reinbek 2000, S.103 ff.) sind essentielle Momente seiner Kameraarbeit. Jenseits aller akademischen Fragestellungen zur Cadrage entwickelte er in Down by Law (1986) für Jim Jarmusch Bildkompositionen von bestechender Konsequenz, in Barfly (Barbet Schroeder, 1987) ein kompromissloses Licht abseits aller klassischen Lichtführung und in Breaking the Waves (1996) für Lars von Trier Visionen einer nach den Ursprüngen des Bildes greifenden Kameraführung – alles Arbeiten, die experimentellen Filmideen zum Durchbruch verhalfen und zukünftige Filme in ihrer visuellen Kraft bestimmen werden. Die besondere Qualität seiner Arbeit liegt jedoch darin, der Statik des auskomponierten Bildes die Unbeirrbarkeit des naiven Blicks entgegenzusetzen, den Schönheitswillen der Fotografie durch den schwierigen Weg zur Einfachheit zu überwinden und die Fremdheit des Blicks zu dessen erster Aufgabe in der Annäherung an das fotografierte Objekt zu machen. Vom Stilprinzip befreit ereignen sich so für den Betrachter Momente tiefer, in der Unmittelbarkeit seiner Fotografie begründeter Berührtheit.

    Neue technologische Entwicklungen bei Licht und Kamera sind für Robby Müller ein wichtiger Rückhalt bei der Erforschung neuer Wege in der Bildgestaltung, aber umgekehrt verlangt er den neu definierten Möglichkeiten der digitalen Kamera (Dancer in the Dark, 2000; My brother Tom, 2001) unnachgiebig die künstlerischen Qualitäten ab, die sie für die Ästhetik des projizierten Bildes erst verwendbar macht – auch dies ein wichtiger Teil seiner Bedeutung für die gegenwärtige Filmfotografie. Er selber beschreibt sie als ein aufgeklärtes Konzept der Kamera: „Wenn ich mich für einen Film entscheide, sind meine Gefühle das Wichtigste. Ich versuche, mit Regisseuren zu arbeiten, die ihr Publikum berühren wollen und die Menschen noch über den Film diskutieren lassen, wenn sie das Kino längst verlassen haben. …Ich ziehe es vor, dem Zuschauer die Freiheit zu lassen, selbst etwas zu entdecken, statt ihn mit den Augen darauf zu stoßen“ (zitiert nach: Ettedgui, Peter: Filmkünste Kamera, S.103 ff.).