Frank Griebe

  • Ich habe angefangen, im Kino als Filmvorführer zu arbeiten. Da konnte ich mich mit in den Saal setzen und Filme nochmals und nochmals ansehen, da habe ich viel gelernt.

    — Frank Griebe
    Biografie
    Filmografie

    25 km/h (2018)
    R: Markus Goller

    Babylon Berlin (2017) (TV)

    Conny Plank – The Potential of Noise (2017) (Documentary)
    R: Reto Caduff, Stephan Plank

    Denk ich an Deutschland in der Nacht (2017)
    R: Romuald Karmakar

    Ein Hologramm für den König (2016)
    R: Tom Tykwer

    Anderson (2014) (Documentary)

    Rosakinder (2012) (TV)

    Der Wolkenatlas (2012)

    Zettl (2012)

    Lost in Religion: Welcher Glaube für mein Kind (2010) (TV)

    Longing for Beauty – Sehnsucht nach Schönheit (2010) (TV)

    3 (2010)

    Problema (2010)

    Max Raabe & Palast Orchester: Heute Nacht oder nie (2009) (TV)

    Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation (2009) (Segmente „Feierlich reist“ and „Ramses“)

    The International (2009/I) (Kamera)

    Going Against Fate (2008)

    Play Your Own Thing: A Story of Jazz in Europe (2006)

    Deutschland. Ein Sommermärchen (2006)

    Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006) (Kamera)

    Paris, je t’aime (2006) (Segment „Faubourg Saint-Denis“)

    Der die Tollkirsche ausgräbt (2006)

    Ich Dich auch (2005)

    NVA (2005) (Kamera)

    Nullachtfuffzehn (2004)

    Ein Tag in Wolfsburg (2004)

    True (2004)

    Rammstein: Lichtspielhaus (2003) (V) (Video „Du Riecht So Gut“)

    Herr Lehmann (2003)

    Delusion (2002) (Kamera)

    Nackt (2002)

    Heaven (2002/I) (Kamera)

    Die Aufschneider (2000)

    Der Krieger und die Kaiserin (2000)

    Absolute Giganten (1999)

    Hauptsache Leben (1998) (TV)

    Lola rennt (1998)

    Zugvögel – … einmal nach Inari (1998)

    Winterschläfer (1997)

    Die brennende Schnecke (1996) (TV)

    Der Mann auf der Bettkante (1995) (TV)

    „Ein unvergeßliches Wochenende“ – In Südfrankreich (1994) (TV)

    Die tödliche Maria (1993)

    Epilog (1992/I)

    Because (1990)

    Auszeichnungen

    2015 Nominiert mit Camerimage Jury Award (Best Pilot) für Sense8 (2015)

    2013 Deutscher Kamerapreis, Ehrenpreis für das Lebenswerk

    2013 Deutscher Filmpreis für Cloud Atlas (2012)

    2008 Adolf-Grimme-Preis für Der die Tollkirsche ausgräbt (2006)

    2007 Deutscher Filmpreis für Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006)

    2007 Europäischer Filmpreis für Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006)

    2006 Camerimage Cinematographer-Director Duo Award (mit Tom Tykwer)

    2002 Marburger Kamerapreis

    2002 Preis der deutschen Filmkritik für Heaven (2002)

    2000 Chlotrudis Award für Lola rennt (1998)

    2000 Brothers Manaki International Film Festival Spezialpreis der Jury für Lola rennt (1998)

    1999 Deutscher Filmpreis für Lola rennt (1998)

    1998 Deutscher Filmpreis für Winterschläfer (1997)

    1994 Deutscher Kamerapreis (Kategorie: Spielfilm) für Die tödliche Maria (1993)

    Jurybegründung

    Nach der weithin beachteten Auszeichnung eines Kameramanns des großen europäischen Kinos (MARBURGER KAMERAPREIS 2001 an Raoul Coutard), der für Leistungen geehrt wurde, die bis zum Ende der fünfziger Jahre zurückreichen und bereits Geschichte geworden sind, wird nun 2002 mit Frank Griebe die Arbeit eines jungen und höchst aktuellen Bildgestalters in den Mittelpunkt gerückt. Damit entfaltet der Preis eine neue, eine geradezu filmpolitische Facette. Die Verleihung unterstützt und ermutigt eine innovative Gestaltungsleistung, die dem aktuellen deutschen Film bereits wichtige Impulse gegeben hat.

    Frank Griebe ist vor allem durch die Fotografie der Filme Tom Tykwers bekannt geworden. Zu Recht fanden die Inszenierungen Tykwers (Die tödliche Maria, Winterschläfer, Lola rennt und Der Krieger und die Kaiserin) große, zuletzt auch internationale Beachtung. Tykwer gilt als vielversprechende Regiebegabung und als große Hoffnung des deutschen Films. Doch noch viel zu wenig wird gewürdigt, dass diese Filme ihre emotionale Kraft und ihren Phantasiereichtum nicht zuletzt der Bildlichkeit, der konsequenten visuellen Gestaltung und damit der Kameraarbeit von Frank Griebe verdanken.

    Die stilistische Vielfalt der vier für Tykwer fotografierten Filme ist außerordentlich. Die tödliche Mariaentwirft mit großer und fast schon asketischer Konsequenz eine Bilderwelt der sozialen Unterdrückung und der Realitätsflucht, aus der es für die Heldin kein Entrinnen zu geben scheint. Die muffigen Interieurs der fünfziger Jahre mit ihrer deprimierenden Warenästhetik werden zu einer Sphäre der Fäulnis und der Verwesung radikalisiert. Und dennoch deutet der Film an Ende, ironisch gebrochen, den kühnen, befreienden Sprung aus dieser Schreckenswelt an.

    Winterschläfer realisiert ganz andere, atmosphärisch aber ebenso dichte Raumbilder. Die starre winterliche Gebirgswelt treibt die Figuren, junge orientierungslose Erwachsene, in die Nischen und Winkel ihrer privaten Sphären, die aber ebenso wenig Schutz bieten. Exzentrisch-gewagte, kreisende Kamerabewegungen bezeichnen sowohl die Ausbruchsversuche wie auch die Untergänge und Abstürze.

    Lola rennt führt auf virtuose Weise die Audrucksebenen von Erzählfilm, Filmessay, Zeichentrick und Videoästhetik zusammen – mit einer erstaunlichen Perfektion auf allen Ebenen. Die sehr unterschiedlichen Bildstile – vom reportagehaften Realismus bis zur Phantastik des Traumes – werden dabei nicht bloß zitathaft abgerufen, sondern konsequent zugespitzt und überhöht.

    Der Krieger und die Kaiserin, der vorläufig letzte Film des Duos Tykwer/Griebe, besticht durch das Nebeneinander aktionsgeladener Bildlichkeit und spiritueller Tiefe.
    Mit Frank Griebe wird eine Kameraarbeit ausgezeichnet, die bei aller unbestreitbaren Professionalität auf beständigem Experimentieren, auf dem Mut zum Risiko und der Lust der Zuspitzung basiert. Die Preisverleihung richtet die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Bildgestaltung, auf die herausragende Leistung des Kameramanns Frank Griebe. Sie korrigiert und ergänzt somit die Wertung und Rezeption dieser Filme, die bisher einseitig den Regisseur Tom Tykwer und seine Hauptdarstellerin Franka Potente favorisiert hat und erfüllt somit in fast idealer Weise die Programmatik des MARBURGER KAMERAPREISES.